Geschnitten wie ein gewaltiger Rubin, bedeckt von den Facetten eines Daches aus bereits gedunkeltem Kupfer, überragt von einem grazilen italienischen Kampanile, steht unmittelbar neben der Bundesstraße nach Bremen die vollendete Josephskirche, deren Konsekration Bischof Dr. theol. Helmut Hermann Wittler heute, 15.30 Uhr, vornehmen wird. Wieder wurde ein Beispiel gegeben, ein Baustein gesetzt für jene Zukunft, die sich nach dem Konzil machtvoll in Bewegung gesetzt hat. Sie zeigt sich auch in Powe in den neuen Formen, in der in der Architektur unserer Zeit, geschaffen aus Stein, Stahl, Beton, Kupfer, Eisen, Glas und Holz, den Menschen im Bau einer Kirche der mystische Leib Christi sichtbar gemacht wird.
Wie bei keinem anderen Bauwerk unterliegt der Werkstoff, wenn er von dem künstlerischen und schöpferischen christlichen Wirken erfaßt wird, einer zeitlosen Verwandlung. Das ist auch in Powe geschehen. Mit dem Bau der Josephskirche, die nach einem Entwurf der Architekten Dipl.-Ing. Hans Ostermann und Bernt Droste BDA, Münster, erbaut wurde, hat dazu die Gemeinde eine ganz neue städtebauliche Ansicht erhalten, die ebenso zeitgemäß wie reizvoll ist. Kaum erbaut, läßt sich die Josephskirche aus dem Ortsbild nicht mehr wegdenken, in dem sie nunmehr den Mittelpunkt einer sicherlich bald selbständigen eigenen Pfarrgemeinde darstellt.
POWE: Baustein und Beispiel für die Zukunft der Kirche
Heute wird Bischof Dr. Wittler die St.-Josephs-Kirche konsekrieren und das hl. Meßopfer feiern
Mit dem Bau der Josephskirche ist in Powe ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Er nahm Gestalt an, als es zur Gründung eines Kirchenbauvereins kam, der bereits auf einen Standort verweisen konnte, der sich ergab, als vor Jahren die Verkoppelung durchgeführt wurde. Es war dann die Bischöfliche Behörde, die die Architekten Dipl.-lng. Hans Ostermann und Bernt Droste BDA, Münster, beauftragte, einen Entwurf vorzulegen. Es ging aber noch fast Jahr und Tag ins Land, ehe unter der Ägide von Pfarrer Hermann Wübben, Belm, mit dem Bau begonnen werden konnte, dessen Grundstein am 28. März 1965 von Generalvikar Domkapitular Wilhelm Ellermann gelegt wurde. Das Richtfest wurde am 24. August 1965 begangen, nach dem nun, wiederum nach mehr als Jahr und Tag, heute mit der Konsekration die Vollendung gefeiert wird.
Der Grundriß der Kirche stellt ein Fünfeck dar, dessen Südwestseite die Basis bildet. Der Turm, dessen Grundriß ebenfalls ein Fünfeck zeigt, steht frei an der Nordostseite in der Spitze des Grundrisses. Er ist mit einem eingeschossigen Verbindungstrakt, in dem sich an der Süd- und Nordseite die Eingänge befinden, mit der Kirche verbunden. Selbst ohne Eingang, bildet sie einen vollkommen geschlossenen Raum, dessen Dach die Gestalt eines Sternes besitzt. Die Sakristei, ebenfalls eingeschossig, jedoch mit einem Kellergeschoß, wurde der Südseite so angesetzt, daß sich die Verbindungstür unmittelbar zum Altarraum öffnet, im vorgezogenen Grundriß dabei Platz blieb für die Nischen mit den Beichtstühlen. Aus dem Grundriß ragen an der Nordostseite, rechts und links vom Verbindungstrakt, zwei Apsiden hervor. In der Apsis an der Südseite steht die Taufe, während die Apsis auf der Nordseite als Andachtsraum ausgestaltet wurde. Dem Fünfeck des Grundrisses entsprechend, wurde als tragende Konstruktion ein Betongerüst gegossen, das sich, betont nachgezogen, markant von der roten Klinkerverblendung abhebt, in deren Ecken die Betonglasfenster eingeschnitten sind. Der Turm, der an den berühmten Kampanile in Venedig erinnert, ist 33,5 Meter hoch.
ln der Kirche wurden 500 Sitzplätze geschaffen, wobei die Kirchenbänke, die vier Segmente bilden, schräg stehen, also in einem Winkel, dem auch der Grundriß des Altarraums folgt. Eine Treppe, sehr geometrisch aus schwarzgestrichenem Vierkanteisen gestaltet, führt zur Empore empor, deren Balustrade, einem Eisengitter vorgesetzt, mit Holz verblendet wurde. Auch die Decke, neunzehn Meter hoch im Zenit, hat eine Holzverschalung erhalten. Sie hat ein gewisses Pendant gefunden in dem aus Dielen gebildeten Boden der vier Segmente, die von den Kirchenbänken gebildet werden.
Eigenwillig wie die architektonische Konzeption der Kirche ist auch die sakrale Ausstattung. Sie wird beherrscht von den glühenden und starken Farben der Motive, Symbole und Bilder der Betonglasfenster. Von geometrischen Ornamenten eingefasst, die sich in den Seitenfeldern wiederholen, leuchten die beziehungsvollen Motive und Symbole mit ihrer mystischen Schrift in die Kirche hinein, unter ihnen drei Szenen aus der Geschichte des hl. Joseph, dessen Namen die Kirche trägt. Faustgroße weiße, rosa, blaue und gelbe Bergkristalle heben sich im Kircheninnern plastisch vom rauhen Beton ab, der an den Außenwänden ein Profil zeigt, womit die Motive und Symbole auch von außen erkennbar sind. Sie bilden Ornamente, die zum äußeren Dekor der Kirche beitragen, deren Türen mit Kupfer beschlagen wurden.
Nach dem liturgischen Grundsatz, daß die Kirche, selbst ein Sinnbild, im Altar ein Sinnbild Christi sieht, wurde in der Josephskirche in Powe der Opfertisch gestaltet. Auf drei Blöcken aus schwedischem Gotenrot-Granit, die einen geschlossenen Sockel bilden, liegt eine 70 Zentner schwere Platte, die sich nach oben verbreitert. Die Oberfläche, die an den vier Seiten mit einer leichten Schräge abgesetzt wurde, ist glänzend poliert. Die Seiten sind rauh aufgespitzt, was sich auch bei der Taufe wiederholt, die, in einer edlen konischen Form gehalten, in der Apsis an der Südseite steht. Der schmale Rand, der zugleich die Taufschale umschließt, ist ebenfalls glänzend poliert. In der gleichen Weise wurde auch der monolithische Sockel behandelt, auf dem das Tabernakel ruht, ein Kubus, dessen Seiten ein plastisches Flammenornament bilden, das in Bronze gegossen wurde. Die Steinmetzarbeiten am Altar, an der Taufe, der Kanzel und am Sockel für das Tabernakel wurden in dem Steinmetz-und Marmorwerk Bruno Flatau, Osnabrück-Powe, geleistet. Der Altar, die Taufe und der Sockel für das Tabernakel wurden nach Entwürfen der Architekten Dipl.-Ing. Hans Ostermann und Bernt Droste geschaffen. Die Betonglasfenster, das Triumphkreuz und das Tabernakel sind Arbeiten von Bildhauer Rudolf Krüger-Ohrbeck. Die eingehängten Betonglasfenster wurden in den Glaswerkstätten Wilhelm Derix, Düsseldorf-Kaiserwerth, hergestellt.
Zur sakralen Ausstattung gehören die Leuchter und die Kanzel, die als Lesepult gestaltet wurde. Ihre Entwürfe stammen von Bildhauer Hermann Auf-der-Heide, Osnabrück. Das Lesepult besteht aus einer mächtigen Platte aus dem gleichen roten schwedischen Granit, aus dem auch der Altar geschlagen wurde. Die schräge Oberfläche ist poliert. Die Stirnseite und die schrägen Seiten sind rauh ausgespitzt. Die Platte ruht auf vergoldeten gebauchten Säulen, deren Kapitelle in archaischer Form aus den Gesichtern und Symbolen der vier Evangelisten gebildet wurden. Das Triumphkreuz, das an Ketten über dem Altar hängt, besteht aus zwei gleichmäßigen kurzen Balken, die, sehr breit gehalten, fünf Felder bilden. Das Motiv der Darstellungen ist das Opfer, angefangen mit dem Opfer Abrahams bis zu dem Opfer der römischen Vestalinnen. Die Kirche wird, wie bereits im Mittelalter als Begleitfiguren der Kreuzigung üblich, in den Gestalten der Ecclesia (Neues Testament) und Synagoge (Altes Testament) dargestellt. Die vier äußeren Felder, deren Bilder in Medaillons gefaßt sind, umgeben beziehungsvoll das feierliche Motiv des quadratischen Mittelfeldes, eine Darstellung Christi als Hoherpriester, unter der Bischof Dr. Helmut Hermann Wittler heute das erste hl. Meßopfer in der neuerbauten St.-Josephs-Kirche in Powe zelebrieren wird. -fwa-